Die Geschichte der Pins und Anstecknadeln

Pin Softemaille

Die Vorläufer der Anstecknadel

Zum ersten Mal aufgetaucht ist die Anstecknadel in der Bronzezeit. Damals hieß sie noch Gewandnadel und wurde aus Gold oder anderen Edelmetallen hergestellt und war somit sehr wertvoll. Die Gewandnadel wurde auch Fibel genannt und entwickelte sich im Laufe der Jahre hin zur jahrzehntelang genutzten Mantelschließe. Der Nachfolger der Gewandnadel war die Agraffe. Die Agraffe hatte schon den Augenschein einer kleinen Brosche und war in der Regel am Halsausschnitt der Damen zu finden. Auch sie fungierte als Schließe. Im 17. Jahrhundert, dem Zeitalter der Renaissance, folgte die Brosche. Sie war Schmuckstück und Hilfsmittel in einem. So konnten mithilfe der Brosche Stoffe gerafft und befestigt werden. In aufwendigem Design verarbeitet schmückte sie zudem und lenkte geschickt den Blick der Herren auf die Halsregion oder das Dekolleté. Sie war zudem meist üppig verziert und mit Schmucksteinen versehen. Das machte sie einzigartig und wertvoll. Die letzte Entwicklung vor den heutigen Pins war die Krawattennadel. Sie entstand in der Biedermeierzeit. In den Anfängen war sie noch Zubehör und Begleiter für die Binder. Sie entwickelte sich dann aber auch zu einem Zier- und Schmuckstück für den Herrn. Ferner wurden die Krawattennadeln auch genutzt, um den Krawattenknoten zu fixieren. Auch diente sie als Ersatz für die Krawattenspange. Die Vorläufer der Pins hatten insgesamt eine eher praktische Funktion, welche sich erst im Laufe der Jahre hin zu einer schmückenden Funktion entwickelte.

Entwicklung der Pins

Die Pins finden ihren Ursprung in den USA. Am 21.07.1896 ließ sich der Amerikaner George B. Adams die Entwicklung als „Badge Pin oder Button" patentieren für seine Firma Whitehead and Hoag Company of Newark. Die Idee hinter der Erfindung war ein Metallbutton, welcher mit einer Nadel versehen und mit einem Verschluss fixiert wird, um die Nadel einfach und sicher an verschiedensten Stellen und Stoffen anbringen zu können. Dabei ging es zunächst darum, eine Möglichkeit zu finden, eine einfache Aussage treffen zu können bzw. ein Zusammengehörigkeitsgefühl herzustellen mithilfe der Anstecknadeln. Im Laufe der Geschichte haben sich daraus zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten ergeben. Die Gestaltung des Anstecknadelkopfes ist dabei variabel gestaltbar – sowohl was die Form, die Farbe als auch das Motiv oder den Slogan betrifft.

Die Herstellung der Pins

Da Pins heute zumeist ein Massenprodukt sind, werden sie meistens nicht wie in der Bronzezeit aus Edelmetallen gegossen, sondern aus preisgünstigeren Alternativen wie Eisen, Aluminium, Messing oder Kupfer. Diese Materialien sind zudem sehr langlebig und in ausreichendem Maße verfügbar. Zur Herstellung gibt es unterschiedliche Verfahrenstechniken. Hierzu zählen unter anderem die Prägung, die Ätzung, der Druck, der Guss und die Sandstrahlung. Mithilfe der Gusstechnik lässt sich beispielsweise eine dreidimensionale Optik herstellen. Der Button wird mit einer Nadel versehen, welche wiederum einen kleinen Verschluss hat. Es gibt aber auch Varianten mit einer langen Nadel ohne Verschluss. Auch werden zum Teil Magnetverschlüsse verwendet. Die meist genutzte Verschlussart ist jedoch der Butterflyverschluss, da dieser am sichersten hält. Es ist weiterhin möglich, die Pins in unterschiedliche Formen zu bringen und mit verschiedenen Farben zu arbeiten. Auch können Schriftzüge und Fotos auf den Ansteckpins angebracht werden. Es ist möglich, eine hohe Stückzahl an Pins zu produzieren und zu verbreiten.

Wichtige geschichtliche Etappen

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts begann die Entwicklung der Anstecknadel in die Richtung, die sie bis heute beibehalten hat. Dabei wurden die Pins vor allem für politische Zwecke genutzt. Im Jahr 1860 wurden die Anstecknadeln zum ersten Mal mit einem Foto bedruckt. Hintergrund war die politische Unterstützung von Abraham Lincoln. Knapp 40 Jahre später, genauer 1896, fanden die Pins ihren Einsatz im Wahlkampf von Mc Kinley. Zu diesem Zeitpunkt wurden schon Nadeln mit über 800 verschiedenen Motiven kreiert und verteilt. Hieran erkannte man schon den Anstieg der Popularität sowie die einfache und doch geniale Methode, Marketing in der Politik umzusetzen. Im 20. Jahrhundert dann schwappte die Welle nach Europa über bzw. nach Deutschland und es entstand nahezu ein Hype um die Pins.

Kult-Pins

1972 wurden Ansteckpins mit dem Logo „Willy wählen“ kreiert und als Wahlkampfslogan verbreitet. Hierüber schaffte man es, kurz und knapp eine Wahlkampfbotschaft zu verbreiten. Im Jahr 1963 wurde der legendäre Smiley entwickelt. Dieser wurde damals zur Motivation von Mitarbeitern eines großen Unternehmens hergestellt bzw. zur Steigerung der Arbeitsmoral. Seinen großen Durchbruch hatte das Smileymotiv jedoch erst sieben Jahre später im Jahr 1970. Hier wurde der Smiley mit dem Slogan „Have a happy day“ kombiniert. Dieser Pin schaffte es, Kultstatus zu erreichen und hat sich damals über sagenhafte 50 Millionen Mal verkauft. Ebenfalls in den 70er - Jahren entstanden die Anstecker mit der Botschaft „Atomkraft? Nein Danke“. Sie wurden von der Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland entwickelt und verbreitet und präsentierten sich mit einem Peace-Symbol. Ein weiterer Kult-Pin ist die von Kellogg´s entwickelte Anstecknadel. Die Firma Kellogg´s erkannte, dass sich die Pins sensationell als Werbemittel nutzen lassen und designte eine große Anzahl unterschiedlichster Pins mit verschiedenen Motiven als Sammelobjekte. Es entwickelte sich eine regelrechte Sammelleidenschaft.  Dies wurde zur genialen Marketingstrategie. Noch heute sind diese Nadeln bei Sammlern äußerst beliebt und erzielen auf dem freien Markt dreistellige Summen.  Zum Gedenken an die Terroropfer des 11. September in den USA und zur Darstellung des Patriotismus wurde eigens eine Anstecknadel mit dem Symbol der US-Flagge entworfen. Ein weiterer Pin ist eine Anstecknadel mit einer gelben Schleife als Motiv. Mit diesem kann die Solidarität zu den Bundeswehrsoldaten gezeigt werden. Sehr bekannt ist außerdem auch die rote Schleife. Diese wird jedes Jahr in Zusammenhang mit der Aids-Gala herausgebracht und von Homosexuellen als auch Sympathisanten getragen. Symbole wie diese werden sofort mit einem bestimmten Ereignis oder Zweck verbunden und haben enormen Wiedererkennungswert. Ebenfalls gibt es eine eigens für die 1. Mai-Bewegung kreierte Anstecknadel, welche jährlich auf den Kundgebungen am Tag der Arbeit getragen wird. Universitäten wie die Albertus Universität Königsberg statten ihre Studenten mit Ansteckpins aus und stärken somit das Zusammengehörigkeitsgefühl der Kommilitonen. Auch in Frankreich wurden die Pins genutzt, um Botschaften zu verbreiten und zu demonstrieren. So entwickelte die französische Arbeitnehmerbewegung Anstecknadeln in der Form eines roten Dreiecks und brachte damit in ganz vereinfachter Form ihren Wunsch nach einer wie man heute sagen würde „ gesunden Work-Life-Balance“ zum Ausdruck.

Die Verbreitung der Pins

Die Anstecknadel hat im Laufe der Geschichte schon verschiedene Etappen und Einsatzbereiche durchlaufen und ist heute nicht mehr zweckgebunden. So hat sich die Verbreitung von der politischen Ebene auf eine vielfach kommerziell und marketingtechnisch genutzte Interessensebene verlagert. Die Nadel ist ein Tool geworden, welches preisgünstig herzustellen ist und sich einfach und schnell verbreiten lässt. Da es in erster Linie am Körper getragen wird, ist der Pin auch für jedermann sichtbar und somit eine ideale Werbeplattform. Da die meisten Unternehmen mit Firmenlogos und –slogans arbeiten, ist auch der Wiedererkennungswert gegeben. Mithilfe der Ansteckpins können kurze Botschaften klar und verständlich vermittelt werden. Aber auch im Sport hat die Anstecknadel ihr Dasein gefestigt. So kann die Nadel die Vereinszugehörigkeit repräsentieren. Einen weiteren Einsatz finden die Pins sogar im Bereich der Trachtenmode. Hier sind sie in erster Linie ein modisches Accessoire. Gern genutzt werden die Pins auch auf Veranstaltungen wie dem Oktoberfest. Zuletzt werden Anstecknadeln aber auch genutzt, um eine Auszeichnung zu verleihen. Sei es ein Orden, ein Ehrenamt oder auch das Firmenjubiläum – mit der Anstecknadel wird die nötige Wertschätzung herübergebracht. Verbunden ist dies zumeist mit einer feierlichen Zeremonie, anlässlich welcher die  Nadel überreicht und auch angesteckt wird. Dabei ist sie ein bleibendes Erinnerungsstück.  Auch bei der Feuerwehr ist die Anstecknadel häufig im Einsatz.

Einsatz und Ansteckmöglichkeiten

Die Anstecknadel selbst ist in der Regel von geringer Größe und kann einfach und schnell an verschiedenen Stellen angebracht werden. Üblich ist es, die Anstecknadel am Reverskragen zu befestigen. Aber auch an anderen Stellen der Kleidung ist dies problemlos möglich, da die feine Nadel durch den Stoff gestoßen werden kann und dann auf der Rückseite mit dem Schmetterlingsverschluss fixiert wird. Somit hält sie sicher an der gewünschten Stelle und er Stoff wird nicht beschädigt. Die Anstecknadel kann bei Belieben wieder entfernt oder ausgetauscht werden, ohne einen Schaden am Befestigungsobjekt zu hinterlassen. Die Pins können aber auch an Taschen oder Rucksäcken befestigt werden oder an der Kopfbedeckung wie dem Hut oder der Cappi. Sammler tragen auch nicht nur einen Pin, sondern gleich eine ganze Reihe und stellen diese zur Schau. Auf verschiedenen Onlineplattformen ist es zum Beispiel auch möglich, sich seine eigenen Pins zu kreieren und damit individuelle und personalisierte Botschaften zu verfassen und herüberzubringen.  Es gibt aber auch zahlreiche zeitlose Motive bzw. Modestatements, so dass die Anstecknadel nicht nur dazu dient, Botschaften zu vermitteln, sondern auch einfach als modisches Accessoire genutzt werden kann und so zum Hingucker wird. Outfits lassen sich so individuell gestalten und aufpeppen.

Die Wirkung

Die Wirkung von Pins ist je nach Einsatzart und Botschaft unterschiedlich. So kann die Anstecknadel auf einer politischen Ebene auch mal aggressiv oder populistisch wirken. In jedem Falle wirken die Pins werbend und erregen Aufmerksamkeit. Werden die Ansteckpins im Bereich des Sports oder der Musik eingesetzt, so können sie auch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit erzeugen. Auch Botschaften wie Mitgefühl und Anteilnahme sind möglich. Manche Motive wirken auch witzig und unterhaltend. Andere wiederum stellen eine Überzeugung zur Schau oder auch eine politische Gesinnung oder gar Glaubensrichtung. In jedem Falle will der Träger aktiv und bewusst etwas aussagen und damit einen Gegenüber erreichen. Somit hat sich der Pin von seinem Ursprung – der Befestigungsnadel – hin zu einem Accessoire mit Aussagekraft entwickelt.