Patches und Aufnäher haben eine lange Tradition

Aufnäher gewebt

Patches als Symbol der Rangordnung

Patches oder Aufnäher haben schon eine lange Tradition. Vor Jahrhunderten boten sie eine gute Möglichkeit, dienstliche Rangordnungen auf der Kleidung zu präsentieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Aufnäher mehr und mehr dazu verwendet, innerhalb von Protestbewegungen die für die dienstliche Kennzeichnung genutzten Aufnäher auch in veränderter Form für verschiedene Darstellungen zu verwenden. Mit den Abzeichen wurde in diesem Zusammenhang eine politische Haltung öffentlich präsentiert. In der heutigen Verwendung und Verbreitung kamen die Abzeichen der Ende der 1970er Jahre sowie Anfang der 1980er Jahre auf den Markt.

Politische Symbole und öffentliche Zeichen der Gesinnung

Besondere Symbolkraft hatten die Aufnäher zum Anfang der 1980er Jahre innerhalb der damaligen DDR. Hier wurden sie innerhalb von Friedensbewegungen genutzt und der Aufnäher stellte Schwerter zu Pflugscharen dar und war unter den oppositionellen Jugendlichen sehr beliebt. Dazu protestierten die Jugendlichen im damaligen Westen gegen die damalige atomare Aufrüstung, den Natodoppelbeschluss, sowie das nachfolgende Aufrüstungsprogramm im eigenen System mit dem Tragen spezieller Aufnäher. Schnell entwickelten sich die Aufnäher so zu einem wichtigen Bestandteil innerhalb der öffentlich getragenen Straßenkleidung und sowohl Jeansjacken wie auch Parkas wurden durch Aufnäher verziert, die den Friedenswunsch der Jugendlichen öffentlich darstellten. Das Tragen der Aufnäher zu dieser Zeit hatte allerdings auch negative Folgen für die Jugendlichen. Mit der Kritik, die sie gegen die Atomwaffen durch die Aufnäher öffentlich machten, und die sie nicht von der Kleidung zu entfernen gedachten, brachten sie sich selbst in die Situation, mit starken Repressionen belegt zu werden. Das ging so weit, dass das Tragen der "Anti-Atomkraft-Abzeichen" zu Entlassungen aus den Hochschulen und zum Versagen der Zulassung zum Abitur führt. Auch Strafversetzungen in Betrieben waren gängige Praxis, wenn die Jugendlichen nicht einlenkten und die entsprechenden Aufnäher von ihrer Kleidung entfernten.

Große Popularität hatten die Aufnäher Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre auch bei den seinerzeit westdeutschen Grünen innerhalb des Bundestages. Das bedeutete zum Beispiel in der Praxis, dass die Bundestagsabgeordnete Petra Kelly im Jahr 1983 im Oktober bei einem offiziellen Empfang des damaligen Staatschefs der DDR, Erich Honecker, einen Pullover trug, der mit einem Abzeichen der Schwerter zu Pflugscharen verziert war.

Die Bay-Area-Thrash-Zeit

Eine riesige Verbreitung der Aufnäher war auch in der sogenannten Bay-Area-Thrash-Zeit zu verzeichnen, die von 1983 bis 1989 reichte. Hier wurden zum Anlass besonderer Ereignisse wie zum Beispiel dem Jubiläum eines Motorradclubs oder auch für Festivals jeweils an das Ereignisse angelehnte Abzeichen gefertigt, die dann an die Besucher verkauft wurden. Diese Abzeichen stellten ein bleibendes Erinnerungsstück für die Besucher dar. Dazu waren zu dieser Zeit auch Aufnäher sehr stark vertreten, die auf der Kleidung getragen die Zugehörigkeit zu Clubs und Freundschaften zeigten.

Von der Metal-Szene bis zum Fußballverein

Innerhalb von Uniformen sind die Aufnäher bis heute ein Zeichen der Träger für eine Rangordnung. Innerhalb der Metal-Szene sind Abzeichen auf Jeanskutten und Rucksäcken stark vertreten. Innerhalb der Punk-Szene zieren die Abzeichen Jacken und Hosen sowie sonstige Kleidungsstücke und Taschen. Als Motive der Abzeichen sind hier viele Schallplattencover und Bandfotos sowie deren Logos oder aber gemeinsame Parolen auffindbar. In der sogenannten Rockerszene sind die Abzeichen prägende Teile der Kutten der Motorradfahrer. Aber auch unter Fußballfans sind Kutten, die mit Abzeichen des eigenen Vereins verziert sind, sehr verbreitet.

Die Individualisierung der Patches

Heute ist es inzwischen aufgrund technischer Möglichkeiten auch umsetzbar, dass Kunden individuelle Abzeichen in Auftrag geben und in kleinerer Stückzahl fertigen lassen. Die Bezeichnung hierfür heißt üblicherweise Custom Patches. Sehr beliebt sind dabei die Abzeichen mit Motiven, die Bands darstellen, die wiederum selbst keine eigenen Abzeichen vertreiben.

Die Bewertung der Abzeichen

Die lange Tradition der Abzeichen, die schon seit Jahrhunderten besteht, hatte ihren Ursprung in der dienstlichen Rangordnung, die durch diese Abzeichen symbolisiert werden sollte. Heute haben die Abzeichen unterschiedliche Bedeutungen. Das bedeutet in der Praxis, dass die Patches grundsätzlich eine Zusammengehörigkeit einer Gruppe sowie deren Gemeinschaftsgefühl signalisieren sollen. Die Patches können für Vereine und Firmen in verschiedenen Formen und Ausführungen gefertigt werden. Üblicherweise ist das Trägermaterial der Abzeichen Twill oder aber auch Filz. Die Möglichkeiten der Gestaltung der Patches sind heute beinahe unbegrenzt gegeben.

Patches haben heute auch auf Luxusgarderobe einen Platz

Waren es in den letzten Jahren die praktischen Aspekte, weshalb Patches an Kinderkleidung zum Einsatz kamen, hat sich dies heute verändert. In den letzten Jahrzehnten wurden die Patches gern genutzt, um Flecken und Löcher in Kinderkleidung dekorativ zu verbergen. Einen symbolischen Charakter hatten die Patches in diesem Zusammenhang nie. Heute ist es inzwischen so weit, dass auch Luxuslabels auf die Patches zurück greifen, um ihrer vertriebenen Kleidung damit einen individuellen Charakter zu verleihen. Vom Schmetterling bis hin zu anderen witzigen Symbolbildern werden die Patches heute auf Blousons und Jeansjacken, sogar auf Schuhe und Taschen aufgebracht, um sie zu verzieren.

Die Patches sind in der Avantgarde angekommen

Die ursprünglich aus dem Militär und der Politik entsprungenen Patches haben heute den Weg über die Bastel- und Handarbeitsbewegung von Müttern in die Luxusbranche geschafft. Immer öfter sind es auch hochwertige Designer, die Kinder- und auch Erwachsenengarderobe mit Patches versehen und dieser so einen individuellen Stil verleihen. Dabei können die Kleidungsstücke auch sehr dicht mit den Patches verziert sein und völlig sinnfreie Sprüche anstelle der in der Vergangenheit politischen Parolen übermitteln. Auch Streetstyle-Labels setzen heute immer wieder auf die Verwendung von Abzeichen oder auch Patches, um die eigene Mode neu zu gestalten. Immer wieder erreicht diese Mode dabei ihre Höhepunkte, an denen auch Kleidungsstücke auf den Markt gebracht werden, die über und über mit Patches versehen sind und die Bildsprache der Patches reicht von den Designermodellen bis hin zu den Streetwear-Labels.

Die Patches haben eine interessante Entwicklung erlebt

Spannend ist die Karriere, die die Abzeichen im Laufe der Zeit genommen haben. Von der Darstellung von Rängen innerhalb des Militärs über das Flickwerk, das Kinderkleidung noch weiterhin tragbar machen sollte bis hin zur Ankunft in der Designermode haben sich Patches im Laufe der letzten Jahre stark entwickelt. Dazu kann heute jeder auch das Bügeleisen selbst schwingen. Dazu sind die Kleidungsstücke auch schon fertig mit den Patches versehen im Handel vorhanden. Allerdings kann eine Jeansjacke eines Designers, die mit Patches versehen ist, hier durchaus schon einmal Verkaufspreise von 1.000 Euro haben.